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Nur noch eine kleine Änderung.
Und plötzlich habe ich keine Haut mehr.

Editorial-Collage: Esther mit Hand am Mund neben einem vergrößerten Originalausschnitt des KI-Bilds mit glänzender Haut und verschmolzenen blonden Haarsträhnen. Nur noch eine kleine Änderung.

Eigentlich wollte ich nur ein Titelbild für meine Webseite. Links das Gedankenchaos, bei mir laufen die Fäden zusammen, und darüber entstehen geordnete Abläufe, Produktbilder und Videos. Etwas digital, etwas verspielt, mit mir mittendrin. Also ein paar Selfies gemacht und mit KI losgelegt. Die ersten Ergebnisse fand ich ziemlich gut. Noch nicht fertig, aber nah genug dran, um weiterzumachen.

Dann kamen die kleinen Änderungen: den Hintergrund dunkler, die Ergebnisse über meinem Kopf größer, den Pullover ordentlicher. Jede Bitte für sich war überschaubar, und nach jeder neuen Version funktionierte etwas besser. Dass mein Gesicht dabei allmählich eine andere Vorstellung von sich entwickelte, fiel mir deutlich später auf.

Die Bildidee wird klarer. Mein Gesicht leider auch.

Ich hatte von Anfang an gesagt, wie ich aussehen wollte: authentisch, ohne Make-up und ohne komplett glattgebügelte Haut. Ein bisschen weniger Rötung wäre nett, gutes Licht sowieso. Vielleicht auch einen Tick besser als auf einem spontanen Selfie. Ich bin schließlich nicht gegen vorteilhafte Beleuchtung. Zwischen „gut getroffen“ und „aus einem anderen Material gefertigt“ liegt allerdings ein Bereich, den ich gern übersprungen hätte.

Für einen kleinen Vergleich haben wir einen frühen, für mich noch brauchbaren KI-Stand zweimal nacheinander weiterbearbeitet. Zuerst sollten die oberen Fenster größer werden, danach die Lichtlinien übersichtlicher. Gesicht und Haut sollten ausdrücklich unverändert bleiben. Bereits nach diesen zwei erneuten Generierungen war die Veränderung der Hautstruktur klar sichtbar: Details wurden weicher, Flächen gleichmäßiger, der Gesamteindruck künstlicher. Die Viererreihe zeigt das Originalfoto, den frühen KI-Stand und die beiden neuen Bearbeitungen. Sie entstand nachträglich für diesen Vergleich.

Vier Gesichtsausschnitte nebeneinander: Originalfoto, früher KI-Stand und zwei weitere Bearbeitungen mit zunehmend veränderter Hautstruktur

Ich nenne das hier Regenerierungsdrift: Mit weiteren Bearbeitungen entfernt sich die Darstellung schrittweise vom Ausgangsstand – auch an Stellen, die gar nicht verändert werden sollten. Der Name ist meine Arbeitsbezeichnung für die Beobachtung. Die zwei Durchgänge beschreiben diesen konkreten Versuch, keine allgemeine Grenze für KI-Bilder.

In einem späteren Bild aus der ursprünglichen Reihe wird der Effekt noch deutlicher. Die Szene erzählt inzwischen ziemlich genau das, was ich zeigen wollte. Gleichzeitig sieht mein Gesicht aus, als hätte jemand die Oberfläche neu beschichtet. Und warum glitzern meine Haare auf einmal so? Ich wollte geordnete Abläufe zeigen und habe offenbar nebenbei eine Beteiligung am Weihnachtsgeschäft erworben.

Späterer KI-Stand des vollständigen Titelbilds mit auffällig glitzernden Haaren und künstlich wirkender Haut
Späterer Stand aus der ursprünglichen Bildreihe: Die Gesamtidee ist weiter ausgearbeitet, Haut und Haare wirken deutlich künstlicher. KI-generiertes Bild. Zum Vergrößern anklicken.

Ich habe genau hingesehen. Nur an der falschen Stelle.

Nach jeder Änderung habe ich geprüft, ob der jeweilige Wunsch umgesetzt war. Hintergrund dunkel genug? Produkte erkennbar? Gut, weiter. Alles andere behandelte ich gedanklich als erledigt. Gleichzeitig gewöhnte ich mich mit jeder Version an den neuen Stand. Was zwischen zwei Bildern kaum auffiel, war neben dem Original plötzlich unübersehbar. Mein Gesicht hatte die Absprache „Der Rest bleibt so“ offenbar nicht bekommen.

Aus der Fotografie und der Arbeit mit Photoshop kenne ich die Versuchung, ein Bild endlos weiterzuoptimieren. Mit KI ist die nächste Fassung besonders schnell bestellt. In dieser Reihe musste ich allerdings auch die vermeintlich unveränderten Bereiche erneut beurteilen. Deshalb gehören für mich der Blick aufs ganze Bild und der Vergleich mit dem Original zusammen.

Neu anfangen kann die kleinere Änderung sein.

Mein erster Gedanke war natürlich: Dann reparieren wir eben noch schnell die Haut. Nur hätte ich damit wieder auf einem bereits veränderten Gesicht aufgebaut. Sinnvoller erschien mir, mit den Originalfotos neu anzusetzen und die inzwischen klareren Gestaltungsentscheidungen mitzunehmen. Die Arbeit an der Bildidee war brauchbar, die neue Haut musste deshalb noch lange nicht mit ins Ergebnis.

Das ist eine Momentaufnahme aus meiner Arbeit mit den derzeitigen Werkzeugen. KI entwickelt sich schnell genug, dass ich diesen Text vielleicht in zwei Monaten lese und denke: Ach ja, das war damals. Bis dahin hebe ich Zwischenstände auf und prüfe nach einer Änderung auch die Stellen, die bleiben sollten. Und gelegentlich, ob meine Haare inzwischen eine eigene Stromversorgung brauchen.

So oder so. Ich lieb’s. Auch wenn ich gelegentlich neu anfangen muss.

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Esther mit einer spielerischen Telefon-Geste

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